Hallo,
vorhin saßen wir beim Kaffeetrinken, Jürgen, meine Mama und ich und natürlich auch unsere beiden Hunde.
Unser Jack-Russel Boomer hatte den Platz auf Jürgens Schoß erobert und kuschelte mit seinem Herrchen ... und irgendwann meinte Jürgen, na ja sie seien ja mal alle beide Streuner gewesen und nun hätten sie etwas gemeinsam, ein neues Zuhause ... und ich sagte, Chérie und ich hätten auch was gemeinsam, sie wäre jahrelang auf nem Balkon im 9. Stock eingesperrt gewesen und ich ohne Kontakte zur Außenwelt auf einem Dorf und jetzt hätten wir beide einen hübschen und mutigen Mann gefunden. So spielt das Leben.


Ich möchte Euch hier einmal erzählen, wie ich Jürgen kennenlernte und halt alles über unsere Liebesgeschichte bis heute ... heute ist der 10. Januar 2009 und seit gestern bin ich rechtskräftig geschieden.
Ich war so schrecklich unglücklich ... eigentlich schon lange, aber irgendwie hab ich mich verzweifelt an meiner kapputten Ehe festgeklammert, denn ich lebte ganz einsam auf einem Dorf, ohne Geld, mit meiner pflegebedürftigen Mama im Haus und zwei Gnadenbrotpferden auf einer Weide in der Nähe meiner Wohnung.

Meine Ehe war definitiv vorbei .. ich habe das mal auf meiner alten Homepage erzählt, inzwischen gelöscht und will die alte Geschichte auch nicht wieder aufwärmen außer ... ich war vom 23.6.72 bis zum 4.12.08 einfach nur sehr unglücklich verheiratet und bin froh, dass ich das überwunden habe. ... Und ich wünsche mir für die Zukunft, dass meine beiden Töchter von mir lernen werden, dass eine Frau, auch wenn das mit Kindern und Haustieren und so weiter meistens nicht leicht ist, viel glücklicher leben kann, wenn sie gelernt hat, sich zu behaupten, und zwar innerhalb ihrer Familie und Beziehung, aber einen Partner an ihrer Seite hat, der seine Autorität nicht ihr gegenüber, sondern nach außen hin zeigt. ... Und von meinen Söhnen weiß ich, dass sie ihre Frauen oder die, die sie lieben, achten und gut behandeln und ich wünsche mir einfach, dass das auch dann so bleibt, wenn sie mal Väter geworden und ihre Frauen von ihnen abhängig sind, aber ich glaube, die beiden wollen das sicher auch dann so machen.
Es war irgendwann im März 2007. Mein Mann war inzwischen ausgezogen und meine jüngste Tochter hatte gesagt, dass ich Chiwa und Prima zum 1.4.07 in ihre Reitschule zu den 6 anderen Pferden dort bringen könnte, und zwar für einen für mich auch bezahlbaren Sonderpreis. Ich wußte, das ihr das nicht leicht gefallen ist, das für Prima und Chiwa durchzuboxen und ich möchte ihr hier, egal was wir heute für Probleme haben mögen, nochmal dafür danken.
Es war ein gutes Gefühl, so nur für meine Mutter, unsere Katze, unsere Hündin, Chinchilla Musi und mich irgendeine bezahlbare Wohnung zu suchen, auch für mich nach einer Arbeit Ausschau halten zu können, die sich mit der Versorgung meiner Mutter vertrug, die ja einen Rollstuhl braucht und sehr stark dement ist, denn für meine Pferde, die ich vorher ja in Eigenregie gehalten hatte, war nun gesorgt.
Ich überließ mein Weideland meiner Freundin Sandra und ihren Pferden, die gerade wegen des Ausbaus der B 404 zur Autobahn ihr Weideland verloren hatte und mir dafür sehr dankbar war.
Ich war zu dem Zeitpunkt in psychotherapeutischer Behandlung, machte eine tiefenanalytische Traumtherapie bei einem Psychiater in Kiel, die mir helfen sollte, wieder mehr Selbstbewußtsein aufzubauen. Ich lernte gerade, nicht immer "man könnte", sondern "ich will" zu sagen.
Einen Nebenjob in einer Gärtnerei in Klausdorf hatte ich auch gefunden, war noch nicht angefangen, aber wußte, ich könnte dort zum 1.4.07 anfangen zu jobben und etwas Geld zu verdienen. Und was schön war, die Gärtnerei befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Reitschule meiner Tochter, wo unsere beiden Familienpferde Nixe und Reno nebst vier anderen und ein paar Einstellpferden bereits lebten und nun Chiwa und Prima ja auch bald leben würden. Dass sich das so ergab, war ein reiner, aber in meinen Augen schöner Zufall gewesen.
Meine Tochter hatte .. vielleicht spaßeshalber .. zu mir gesagt: "Mama, such Dir doch auch einen Liebhaber." Das lag mir im Ohr und ich dachte, warum nicht?
Ich träumte oft recht erotisch angehauchte Träume und da ich die immer für meinen Therapeuten genau aufschreiben mußte, war mir das oft ziemlich peinlich, aber der meinte: "Du brauchst Liebe, das bedeutet das, und das ist ganz normal."
Also dachte ich, in meinem Reiterforum mögen mich meine Mitglieder oft sehr, ich scheine eine recht nette Schreibe zu haben, vielleicht sollte ich mal versuchen, ob die auch bei Männern auf einer Flirtline ankommt.
Ich baute mir also eine Seite auf einer Flirtline und lernte dort die ersten Männer kennen, stellte fest, dass die sicher nicht alle ehrlich sind, aber manche schon und dass es gar nicht leicht ist, sich da den Richtigen dazwischen rauszusuchen.
Ich baute die Seite ein paarmal um, bis sie so aussah, dass ich mich so denke ich halbwegs ehrlich und realistisch vorgestellt hatte und auch meine Idee von einem neuen Partner so formuliert hatte, dass der wirklich zu mir passen könnte, sollte er sich melden.
Ja, und irgendwann im März schrieb mir Jürgen nur dies: "Kannst Du auch nicht schlafen?" Es war so ca. nachts um 3. So also kamen wir ins Gespräch. Jürgen war ein Spaßvogel ... anfangs, aber manchmal auch ernst und ich stellte fest, dass er sehr intelligent und einfühlsam ist.
Na ja ... ca. 2 Monate später bei mir in Nettelsee zu Hause aufgenommen. Der Jürgen mit seinem unwiderstehlichen Lächeln.

Es folgte vor unserem ersten Treffen noch eine Phase, wo ich mit einigen Tipps von meinem jüngsten Sohn ein kleines technisches Wunderwerk vollbrachte, denn Jürgen hatte plötzlich keinen Internet-Anschluß mehr und ich kriegte eine MMS von seinem Handy an meine mail-Adresse, ob ich ihm "simsen" könne. Ich hatte gar kein Handy, rief natürlich zunächst einmal dort an und hörte zum erstenmal seine Stimme, die mir auf Anhieb gefiel. Na ja, ich schaffte es, mir auf meinem PC einen SMS-Account einzurichten und so unterhielten wir uns dann in Kurzform eine Weile von PC zu Handy weiter ... für mich, die ich immer sehr langatmig bin, extrem ungewohnt, wichtige Gedanken in nur wenige Worte zu fassen.
Wir redeten gelegentlich telefonisch, aber weil das ja viel zu teuer würde und wir beide nicht viel Geld hatten, meist schriftlich über wirklich Gott und die Welt und irgendwie war halt Jürgen zwischen allen Männern, die ich so flirtenderweise kennenlernte, der, der mir mit Abstand am besten davon gefiel.
Na ja, irgendwo auf meiner Flirtseite stand auch ziemlich eindeutig, dass ich dort nicht nach Cybersex suchen würde, sondern schon einen Mann, den ich dann gern life kennenlernten würde. Und ich hätte auch ein Auto, falls er keins hätte.
Um Jürgen zu treffen, mußte ich dann nach dem Einrichten des SMS-Accounts schon wieder über meinen Frauenschatten springen und fuhr, obwohl mein Orientierungssinn einer Katastrophe gleicht, also am 27.4.2007 von Nettelsee nach Bargeheide, wo Jürgen damals einen Job hatte. Klugerweise machte ich mit ihm ab, dass wir uns auf dem Bahnhof treffen würden. Ich dachte mir, wenn ich mich verfahre, kann ich da jeden fragen, denn wo der Bahnhof eines Ortes ist, wissen die meisten Leute. Na ja, logisch hab ich mich dann auf dem Weg zum Bahnhof erstmal verfahren.
Aber nun ja ... ich hatte meine Hündin mitgenommen und beschrieben, wie sie aussieht und was ich an Kleidung anhabe, Jürgen mir seine Kleidung auch und Fotos von uns kannten wir ja auch schon ... trotz aller Orientierungsprobleme klappte es mit dem Treffen.
Ich war total nervös ... Jürgen sagt noch heute, er wäre das nicht gewesen, aber da wäre ich mir nicht so sicher, denn er redete wie ein Wasserfall und wenn ich das mache, dann meistens, weil ich damit meine Unsicherheit überbrücke.
Meine Chérie, die dazu neigt, Männer generell nicht wirklich zu mögen und auch gerne anfangs beißen zu wollen, mochte Jürgen sofort, was ich als ein sehr gutes Zeichen wertete. Tiere haben oft sichere Insinkte dafür, wie ein Mensch so ist. Man merkte auch sofort, dass Jürgen extrem tierlieb ist und das ist etwas, das schonmal gut zu mir paßt.

Wir liefen also stundenlang spazieren, redeten und redeten, kamen uns natürlich auch etwas näher und mit der Zeit stellte sich bei mir sowas wie ein erster Anflug von Vertrauen ein ... das lag sicherlich auch daran, dass Jürgen mir viele Dinge erzählte, die in seinem Leben extrem schief gelaufen waren, ich ihm ebenso und für mich war das etwas, was mir zeigte, dass dieser Mann eine wichtige Eigenschaft hat, nämlich absolut ehrlich zu sein.
Noch schlimmer als ich, die ich fast alles verloren hatte, was mir im Leben etwas bedeutet hat, hat er mal wirklich alles verloren, hat eine ganz schlimme Lebensphase hinter sich gebracht und ist dennoch wieder aufgestanden mit dem festen Willen, wieder glücklich zu werden. Und diesen festen Willen, wieder glücklich zu werden, hatte ich ebenfalls. ... Ich glaube, das war schon eine gute Kombination nebst der Tatsache, dass wir uns so denke ich mal auch gleich sehr sympathisch waren.
Meine Angst, dass Jürgen nach unserem ersten Treffen nicht wiederkommen würde, verlor sich dann schlagartig, als ich ihn in Ahrensburg zum Bahnhof brachte, wo sein Fahrrad stand und wie ein Blindfisch durch die Stadt fuhr ohne jeden Plan, wie ich da wieder rausfinden sollte.
Plötzlich war er neben mir und winkte mich mit seinem Fahrrad aus Ahrensburg raus bis auf die Hauptstraße. Er lachte dabei wie ein kleiner Junge und ich dachte, doch, er wird morgen wieder auf dem Bahnhof sein, um sich nochmal mit mir zu treffen und diesesmal, da es am Wochenende war, mit zu mir nach Hause kommen. Ich war mir sogar ganz sicher. .. Nachts träumte ich davon und schrieb diesen Traum für meinen Therapeuten auf. Ich sah im Traum dieses fröhliche Lachen des Mannes auf seinem Fahrrad ganz deutlich vor mir und hatte dabei ein total gutes Gefühl.

Mein Gefühl war richtig. Definitiv.
Für heute unterbreche ich jetzt mal die Erzählung unserer Liebesgeschichte ... es ist der 12. Januar 2009 und ich werde hier bald weiter erzählen. Gute Nacht.
....
Trotz des Abstands unserer damaligen Wohnorte von ca. 80 km ... und wir hatten ja beide einen Job in der Nähe unserer Wohnung .. begannen wir, uns sofort sehr oft zu treffen ... wir verstanden uns halt super .. na ja meistens.
Den ersten Schreck kriegte ich irgendwann gegen Morgen, als ich Jürgen das erstemal Frühstück machte .. meine Güte, war der brummig und ich dachte, oh je, ich hab gestern sicher ganz viel falsch gemacht.
Auf dem Weg zur Arbeit kriegte ich eine SMS, wo er mir schrieb, ich soll nicht böse sein, er sei ein Morgenmuffel und wäre in der Früh oft so abweisend, er würde mich aber wirklich sehr lieben.
Na ja ... inzwischen habe ich gelernt, damit zu leben .. sogar morgens trotz meines Temperaments nicht allzu viel zu reden, sondern erstmal zu warten, bis der Jürgen hinter seiner Kaffeetasse das erste Lächeln hervor bringt. Vorher kann er vermutlich ohnehin nicht erfassen, was ich ihm erzählen will.
Ich habe ihm deshalb mal als allererstes Video meines Lebens eins gebaut, das ich meinen Igel-Clip nenne ... für meinen Morgenmuffel. Das ist das hier.
Ganz heimlich habe ich das gemacht, als er morgens noch schlief und als es fertig war, hab ich es einfach angemacht .. er schlief ja im selben Zimmer ... was hat er sich darüber gefreut.
Wir waren so glücklich damals. Alles schien sich super zu entwickeln, sogar die Situation in unseren Familien schien gut zu gehen. Wir besuchten Jürgens Mama, unternahmen richtig viel mit dreien von meinen vier Kindern, sogar mit meinem Ex-Mann und seiner Frau.
Jürgen fand das toll mit meiner Familie, denn mit seiner hatte er einige Jahre vorher sehr viel Leid und Verlust erleben müssen. Man findet das noch heute auf seiner Homepage, wie gut ihm das alles gefallen hat. Die habe ich in meinen Links ganz oben, falls Ihr mal nachlesen möchtet.
Ich kriegte auch ein ganz süßes Video zurück ... da müßt Ihr mal auf den englischen Text genauer achten.
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Ich war so gerührt, weil er immer davon sprach, dass er mit mir alt werden möchte. Als ich ihn kennenlernte und er mir erzählte, dass noch nie eine seiner Beziehungen lange gehalten hätte, habe ich mit sowas niemals gerechnet.
Hier z. B. sind wir auf der Kieler Woche .. aber die Umstände zwingen mich, Euch davon nur ein Foto von Jürgen und mir alleine zu zeigen.

Wir besuchten viele Male seine Mama in Bad Nenndorf, wir waren alle zusammen im Zoo, haben viele Male damals bei uns in Nettelsee auf meiner Terrasse mit der ganzen Familie gefeiert. Warum konnte das nicht einfach alles so schön einfach bleiben? Mein Mann hatte die neue Freundin, ich den Jürgen, und der war auch so stolz, seiner Mama seine neue feste Freundin zeigen zu können. Auch unsere Mütter lernten sich kennen.
Mit die schönsten Erlebnisse waren dann unsere gemeinsamen Reitstunden, die erste, weil Reno ein Hufeisen verloren hatte, mit mir auf Nixe und Jürgen auf Pony Max, der zu den Schulponys meiner Tochter gehört.
Später dann auch welche mit Jürgen auf unserem Reno, wo ich leider kein Bild habe, auf dem wir beide reitenderweise drauf zu sehen sind, nur beim Striegeln zu zweit.



Wir stellten fest, dass wir beide auch an Jürgens früherem Hobby, dem Kanadierfahren, viel Spaß hatten ... na ja, ich bin immer gerne geschwommen und insofern halt auch eine Wasserratte.


Unsere erste Tour war bereits 18 km lang und wir erkundeten dabei viele Ecken auf dem Plöner See.



Na ja, war ein herrlicher Tag .. Jürgen rief von der kleinen Insel, wo Ihr ihn dort sehen könnt aus seine Mama an, mit der er als Kind und Teenager viel Kanadier gefahren ist ... wir planten so eine Tour mit meiner ganzen Familie ... und ein paar Wochen später waren wir noch bei einer wirklich wunderschönen Reitershow, die meine Tochter auf ihrem Hof gemacht hatte .. ein Traum, sowas habe ich mir immer vorgestellt, als ich sie das erstemal hab reiten sehen.
Kurz darauf hatte ich einen sonderbaren Albtraum.
Ich spielte zu Hause öfter mit Jürgen Donkey Kong, ein altes Gameboy-Spiel, wo zwei Affen öfter auch mit einer Bahn fuhren. Ich glaube, es hing auch damit zusammen und mit irgendwas, das ich einfach auf uns zukommen fühlte.
Ich fuhr mit einem Cyber-Fahrzeug auf einer leuchtenden Spur. Es war ein wunderschöner Höhenflug und ich war glücklich .. und dann sah ich plötzlich eine Brücke, unter der ich durch ein tiefes Tal mußte, meine leuchtende Spur ging unter der Brücke hindurch und dort wieder einen Berg rauf, aber plötzlich kam der Lichtstrahl zurück und blieb in der Senke stehen und ich mit meinem Cyberauto auch. Ich versuchte, in Preetz anzurufen (dort wohnt eine meiner Töchter), aber es ging niemand ran, ich versuchte eine Kieler Nummer anzurufen (so eine hat meine andere Tochter), aber es ging auch niemand ran. Dann wählte ich Jürgens Handy-Nummer mit klopfendem Herzen .. und wachte schweißgebadet auf.
Ich habe ihm das erzählt .. und er sagte, warum ich denken würde, er wäre nicht mehr für mich da, er wäre immer für mich da, egal was auch passieren würde ... und er ist auch immer für mich da gewesen. Er ist hier und sonst nur noch meine Mama die genauso wie wir beide alle verloren hat, nach und nach .. es war in Wirklichkeit noch viel schlimmer als in diesem Albtraum, die reine Hölle bis hin zu Jürgens Mama, warum auch immer. Es ist uns dreien hier außer uns selbst niemand übrig geblieben.
Aber immerhin haben wir irgendwie überlebt. Wir standen zwar im Frühling kurz davor, obdachlos zu werden, aber das ist nicht passiert.
Unsere Pferde Chiwa und Prima verloren ihren Platz auf dem Reiterhof meiner Tochter wieder und wenn ich an Nixe und Reno und meinen Enkel denke .. und auch an alle meine Kinder und die anderen Enkel ... muss ich weinen.
Ich weiß von Jürgen, der seine Kinder auf ähnliche Weise vor vielen Jahren verlor und auch nur noch einen vagen Kontakt hält, er ist nie darüber weg gekommen, auch wenn keine heißen Tränen mehr fließen.
Aber man kann in so einer Situation nichts tun als weiterleben.
Wir beide denken immer, es ist so schade, dass wir uns nicht in unserer Jugend kennenlernten, dass unsere Kinder keine gemeinsamen sind, dass sie nicht erleben konnten, dass ihre Eltern einfach eine glückliche Ehe geführt hätten, ohne schlimmen Streit, ohne große Not, ohne Angst und Hass.
Vielleicht hätten wir unsere Kinder und überhaupt jeden, den wir gern hatten, so nicht verloren.
Wir haben zwei süße Hunde und zwei schöne Pferde und Oma ist gottlob schon alt und denkt nicht mehr oft an Dinge, die schon länger her sind, so ist das Leid für sie erträglich und sie verbringt einfach viel Zeit mit ihrer Katze, von der wir hoffen, dass die mal uralt werden wird, Oma zuliebe.



Momentan leben Jürgen und ich also mit meiner Mutter, den Hunden, der Katze und unserem alten Chinchilla in Preetz in einem Hartz-IV-fähigen Plattenbau. Unsere Kontakte zur Familie haben sich einfach in Luft aufgelöst .. Weihnachten waren wir ganz alleine, Silvester hatten wir ein bißchen Besuch von einer Nachbarin, die genauso entwurzelt ist wie wir .. wie viele Menschen hier, die wir allmählich näher kennenlernen, soweit sie nicht zu denen gehören, die ihren letzten Verstand versoffen haben, denn davon gibt es hier viele. Im neuen Stall, worüber ich Euch noch im Pferdeteil mehr berichten werde, ist das ähnlich, wir beginnen dazu zu gehören.
Wir haben einige virtuelle Freunde, die viel mehr Verständnis für uns haben als es die Familie hatte .. warum .. ich weiß es nicht, aber es ist eben so. Manche davon kennen wir inzwischen so gut, dass wir uns gegenseitig manchmal besuchen .. es ist nur oft ja so weit weg, wenn man irgendjemand im Net kennenlernt.
Jürgen hat gesagt, versuch den Jetztzustand zu akzeptieren.
Er selbst ist damals, als er alles verlor, fast daran zerbrochen .. er war ganz allein. Irgendwann, hat er mir erzählt, lief er mitten im Winter durch die Straßen und sah in die Häuser .. er war obdachlos geworden .. es war schrecklich kalt draußen und er fror so schrecklich, und in den Häusern brannte Licht, die Menschen saßen dort mit ihren Familien .. und er hat sich gesagt, dass er weiterleben will, wieder eine Familie haben.
Das war noch nicht lange her, als wir beide uns fanden.
Wenn er nicht da gewesen wäre .. ich weiß nicht, ob ich ohne ihn genug Kraft gehabt hätte.
Aber er ist ja da .. ich bin nicht allein und meine Mama, die nicht mehr viel versteht, ist es so auch nicht. Zusammen werden wir irgendetwas Neues aufbauen .. wir müssen das einfach schaffen und wir werden das auch schaffen.
Ich werde Euch hier irgendwann mehr davon erzählen, wie unsere Liebesgeschichte weiterging.
Jetzt werden wir zwei noch mit den Hunden runter gehen, dann ein bißchen schlafen, denn der Jürgen hat morgen Spätschicht.
Es ist der 13. Januar 2009.
Bis irgendwann
Renate
....
Ein halbes Jahr ist vergangen. Wir haben jetzt inzwischen Juli. Meine Mutter wird bald Geburtstag haben und 89 Jahre alt werden.
Zu Ostern habe ich ihr geholfen, den Enkeln zu schreiben, die sie sehr gerne mal sehen wollte. Eine meiner Töchter arrangierte ein Treffen im Garten meinex Ex-Mannes. Ich weiß nicht genau, was dort so passiert ist, denn meine Mutter erinnerte sich an kaum etwas.
Danach ereigneten sich einige Stalking-Dinge durch Familienmitglieder, bei denen es sich sicher nicht um meine Kinder handelt, was die Polizei so ernst genommen hat, dass wir in der kommenden Woche noch einmal persönlich vorbei kommen sollen, um weitere Zeugenaussagen zu machen. Man will uns anscheinend wirklich helfen, dass sich hier mal etwas ändert.
Ich habe deshalb beschlossen, dass meine Kinder meine Mutter gerne hier bei uns besuchen können, dass wir auch gern mit ihr zu jedem von ihnen hin fahren werden oder aber uns auch gern an einem neutralen Ort mit ihnen treffen können, damit meine Mutter sie mal sehen kann, aber ich werde keinem konspirativen Treffen irgendwo in einer Höhle des Löwen, wo man meine arme alte Mama nur aushorchen wird, um uns zu schaden, mehr zustimmen.
Ich rechne nicht wirklich damit, dass die Kinder sich hier melden und ihre Oma besuchen werden. Auch wenn ich darum gebeten habe, man möge meine Mama anrufen oder ihr schreiben, ich rechne nichtmal damit, dass sie das tun werden.
Ich bin ganz ehrlich, meine Kinder haben mich charakterlich alle vier sehr enttäuscht, ich hätte keines von ihnen so eingeschätzt. Ich hoffe auch immer noch, dass sie da eine Kehrtwende machen werden, aber es ist nur noch eine vage Hoffnung.
Nun ja, Jürgen und ich kümmern uns um meine Mama, um ihre alte Katze und auch das alte Chinchilla meines Jüngsten.

Musi .. er ist alt wie Methusalem und ich glaube, fast blind, aber er genießt noch sein Leben.

Unsere alte Katze Blanka mit meiner Mama in ihrem Zimmer. Blanka schläft inzwischen sehr viel und schaut nur noch ab und zu ein bißchen aus dem Fenster, aber das Futter schmeckt noch. Das Leben in einer Etagenwohnung im 3. Stock ist leider nicht optimal für eine Katze.
Meine Mama hat abgenommen, was mir nicht gefällt. Es erinnert mich an meine Großmutter, die immer zu dick war und als sie zuletzt schlank wurde, war das kein gutes Zeichen.
Na ja, wir tun unser Bestes, dass meine Mama noch einen schönen Lebensabend hat. Als nächstes zeige ich Euch ein paar Fotos von der Kieler Woche, wo wir sie auch mitgenommen haben.





Ich beginne, Jürgen besser zu verstehen, der immer sagt, schau nur nach vorne ... die Vergangen ist vorbei. Er hat damit recht.
Irendwo bei einer meiner Freundinnen las ich unlängst, nur die Menschen soll man wichtig nehmen, die jetzt für einen da sind. Auch sie hat recht.
Hier im Ort haben wir inzwischen einige Leute recht gut kennengelernt. Wir leben uns ein, gehören dazu, man trifft sich ab und zu, feiert auch mal ein bißchen.
So ähnlich ist das auch im Stall bei Chiwa und Prima. Wir haben dort auch sehr viel Hilfe und Verständnis erfahren, viele schöne Dinge erlebt.
So ist es uns auch gelungen, dass Jürgen seit einigen Monaten doch auf Chiwa reiten kann. Uns sie kann ihn gut tragen, was ich immer angenommen habe. Er reitet sie ohne Gebiß mit einer ganz sanften Zäumung, momentan noch ohne Sattel, aber wir machen mit ihr beim Satteln mit einem Übungspad große Fortschritte dabei, ihr die Angst vorm Satteln zu nehmen. Auch unterwegs klappt das gut. Ich zeige Euch das einfach mal.

Ganz am Anfang ritt Jürgen Chiwa erstmal nur mit dem Halfter und zwei Führstricken auf dem Platz.

Hier dann schon mit ihrer gebißlosen Zäumung und Split Reins.

Es wurde immer besser, auch unterwegs.


Mit Prima machten wir zum Ausgleich dann viele lange Spaziergänge durch Boksee.


Dieser Frühling war überhaupt wunderschön und ich glaube, der Sommer wird es auch werden, was sich nicht nur auf das in diesem Jahr einfach herrliche Wetter bezieht.
Für unsere Hunde entdeckten wir einen Badestrand, der einfach nur als ein kleines Paradies zu bezeichnen ist, wo wir sehr oft hinfahren und die Ruhe dort genießen.


Aus dem flachen Wasser holt sogar Chérie nochmal ein Stöckchen.

Boomer beobachtet alles, was sein Herrchen Jürgen macht, immer sehr genau.



Ich hatte neulich die etwas verrückte Idee, mal in der Suchtklinik hinter dieser Wiese nachzufragen, wem sie gehört und ob man sich dort vorstellen könnte, mit den Suchtkranken direkt an den Klinikbereich angegliedert was mit Pferden zu machen, da die Arbeit mit Pferden ja bei psychischen Problemen oft sehr hilfreich sein kann ... bin gespannt, ob ich darauf eine Antwort erhalte.
Irgendwie hat es mir dieses Stück Land angetan. Ich vermute allerdings, es wird deshalb nicht bearbeitet, weil es ein Naturschutzgebiet ist.

Wir arbeiten heute oft so mit den Pferden, dass ich beide frei laufen lasse, aber Chiwa dabei von Jürgen geritten. Das klappt sehr gut.

Natürlich bewegen wir die zwei auch noch nach wie vor ganz frei, wo sie dann oft so richtig Vollgas geben und das auch zu genießen scheinen.

Etwas, das mich besonders glücklich macht, ist vor ein paar Tagen passiert. am 7.7.09 ist Jürgen nämlich zum erstenmal ein bißchen auf seiner Prima geritten.
Davor hatte es die Reitlehrerin Carmen bei uns aus dem Stall mal versucht. Sie sagte, sie hätte Angst gehabt, denn Prima blieb nicht immer ruhig, man hat gemerkt, dass unser Pferd große Angst hat, wenn sich Druck aufbaut und es dann gefährlich werden könnte.
Ich war auch sehr froh, dass ich deshalb einmal habe eine Weile mit meiner jüngsten Tochter telefonieren können, die ja früher einmal versucht hat, auf Prima zu reiten, bevor es zu dem Bruch innerhalb meiner Familie kam. Sie gab mir am Telefon für Jürgen einige recht gute Tipps ... aber wie das so ist ... kurz darauf erlebten wir in unserem Forum mal wieder eine Stalking-Aktion vom Feinsten, natürlich versuchten die Personen anonym zu bleiben, aber diesesmal ist es ihnen nicht gelungen ... warum auch hätte dieser Personenkreis zulassen sollen, dass wir sowas wie leichte Familienbande anknüpfen.
Na ja egal ... jedweder auch nicht leichte Kontakt zu unseren Kindern wurde sicher in diesem Stress erneut erschlagen und wir konnten nichts weiter tun als Anzeige zu erstatten, nur dass diese bearbeitet wird, es hilft nicht wirklich, wieder ein Familienleben aufzubauen.
Wir versuchen, uns nicht daran zu ärgern, sondern einfach unser Leben weiterzuleben.
Die Tipps von meiner Tochter und auch unserer Carmen aus dem Stall waren sehr hilfreich und hier sind einige Bilder von Jürgen auf Prima. Ich bin ja so stolz auf meinen Schatz.


Carmen war so lieb, Jürgen beim erstenmal zu führen und später in seiner Nähe zu bleiben.


Na ja ... wenn Jürgen es wirklich schafft, dass er auf Prima alleine reiten kann ... dann muss ich wohl wirklich eine Menge abnehmen, damit ich ihn dann auf Chiwa begleiten kann, denn so schwer wie ich jetzt bin, könnte sie mich ja nicht tragen. Schaden würde mir der Gewichtsverlust bestimmt gesundheitlich nicht und Jürgen hat gesagt, für gemeinsame Ausritte könnte er damit um, eine wieder schlanke Partnerin zu haben.
Meine Chiwa-Maus und ich haben inzwischen eine absolut intime Beziehung entwickelt, unsere Spaziergänge und die Bodenarbeit sind vollkommen entspannt und Jürgen sagt, sie sitzt sich wie ein Sofa ... ich glaube, ich könnte auf ihr reiten, wenn ich schlank wäre.
Na ja, beides wird eine Weile dauern, bis ich abgenommen habe und Jürgen Prima wirklich sicher reiten kann, das wird mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen.

Ich berichte dann weiter, wie es alles gelaufen ist.
Erstmal mache ich hier Schluß.
Heute ist der 18. Juli 2009
Bis später mal.
Renate
