Auf der Suche nach der Doublebird-Ranch

Das ist die 1. Fortsetzung der Geschichte über die Pferde, die Jürgen und ich momentan alleine halten, seit unsere Familie uns aus dem Familienverband mehr oder weniger ausgeschlossen hat.

Es geht weiter im Mai 2008.

Chiwa hatte zugenommen und einen ziemlichen Rehespeckhals bekommen, was wir mit Sorge beobachteten.

In bezug auf den Weidegang war es dasselbe wie damals, als wir mit Nixe, Reno und Chiwa im Jahr 2002 fluchtartig diesen Stall verließen. Manche Pferde kamen auf die Weide, aber die meisten Pensionspferde nicht. Der Auslauf glich einem öffentlichen Pferdeklo und noch schlimmer als damals, diesesmal gab es laufend Heulage zu fressen, die über eine Woche offen in der sengenden Sonne in der Futterraufe lag und regelmäßig zu schimmeln begann, der Grund der Futterraufe war ein einziges Schimmelnest.

Selbst ein Pferd, das nicht zu Hufrehe neigt, wird sowas nicht unbegrenzt vertragen.

Chiwa lief schon seit geraumer Zeit klamm, aber Hufrehe war das nicht. Ich vermutete, dass durch den Siff auf dem Auslauf und ja auch im Offenstall und um diese Futterraufe rum nun doch Strahlfäule dabei war, sich anzubahnen, wartete händeringend auf den Schmied.

Ich erzähle gleich weiter, baue mal ein paar Fotos ein.

Ein Jammer, überall wächst grünes Gras, aber die Pensionspferde dürfen nicht hin, kriegen gärige Heulage. Ich war so sauer ... aber man kann ja oft auch nicht von heute auf morgen den Stall wechseln. Es gab zwar Angebote, aber sonstwo und wir mußten ja sehen, dass wir etwas fanden, wo wir auch mit den Pferden zu Fuß hingehen konnten.

Der Schmied, der in diesem Stall kam hieß Jens .. er ging grundsätzlich nicht an sein Handy und rief auch nicht zurück. Also wartete ich. An dem Tag, als er kommen sollte, hatten Jürgen und ich uns extra beide Urlaub genommen .. macht man ja so, zumal in dem Stall wegen zweier in Vollzeit berufstätiger Bauersleute ohnehin so eine Organisation nicht mehr vorhanden war ... genau genommen bei dem Preis, auch wenn er mit 250 Euro im Monat für beide Pferde nicht extrem hoch war, dennoch dafür zu teuer. Aber der Schmied kam nicht. Als wir fragten wieso, erfuhren wir, dass die Bäuerin den Schmied abbestellt hatte. Ich hatte noch kurz vorher mit ihr darüber geredet, dass ich sehr auf den Schmied warten würde, weil Chiwa so merkwürdig laufen würde, aber Hufrehe sei das irgendwie nicht.

Das Zusammenstellen mit dem anderen Rehepony Merlin hatte auch nicht geklappt, aber ich war wiederum nicht böse darum, denn es stand nur bei Stroh, was man ja nicht machen soll, und dann noch auf einem Gelände mit allen möglichen Landmaschinen drauf .... ich hatte garantiert keinen Bock drauf, dass sich Chiwa nochmal die Beine zerfetzte und habe so lieber gar nicht erst angesprochen, ob sie dort mit rauf könnte.

Meine Mama schaut uns beim Striegeln zu .. wir nehmen sie häufiger mal bei gutem Wetter mit zu den Pferden.

Wir hofften zunächst noch, dass es besser würde, aber als ich dann an dem Tag, als die Bäuerin den Schmied abbestellt hatte, den anrief, der immer zu meiner Tochter und der Herde in Klausdorf gekommen war und der am nächsten Tag auch kommen wollte, bekam ich von ihr einen Anruf, Chiwa hätte Hufrehe und sie hätte meine Tierärztin angerufen.

Unsere Tierärztin kam abends um 10 oder so, die Bäuerin hatte laut Telefonat vorher Chiwa irgendwelche Wickel mit Holzklötzen um die Hufe gewickelt, sie machte ohne mein Pferd zu untersuchen einen Aderlaß und gab Chiwa Schmerzmittel und eine Heparinspritze und ließ der Bäuerin noch eine Schachtel davon da .. die sie Chiwa wie ich später feststellen sollte, nicht in die Halsmuskelfalte, sondern in die Rückenmuskulatur gab, was ich erst merkte, als ich nachfragte, warum Chiwa von oben bis unten voller Beulen sei.

Dann stellte sie Chiwa bei Stroh in die Box und ließ sie hungern, was man unter keinen Umständen machen soll.

Meine Tierärztin hörte nichtmal zu, als ich meinte, Chiwa hätte überhaupt keine Hufrehe, sondern ich würde an Strahlfäule und beginnenden Trachtenzwang denken.

Ich bestellte trotzdem den Schmied erstmal ab und versuchte, die Tierärztin anzurufen .. was mir tagelang nicht gelang ... und da ich damals in einer Gärtnerei arbeitete, hatte ich auch nicht immer die Zeit, stundenlang zu versuchen, diese Tierärztin zu erreichen. Irgendwann erwischte ich sie und sie meinte, von Strohdiät hätte sie nicht geredet, sondern natürlich gesundem Heu und Heulage, schon ganz und gar übergärig, sei natürlich Gift.

Als Chiwa dann besagte Beulen im Rücken bekam, wurde ich endgültig sauer und auch energisch. Ich bestand darauf, auf der Stelle mit den Heparinspritzen aufzuhören, nahm diese merkwürdigen Hufverbände ab und holte meinen Schmied, der mir bestätigte, Chiwa hätte eine leichte, keine schlimme, Strahlfäule, deshalb auch diese leichte Lahmheit. Ob sie nun einen frischen Reheschub gehabt hätte, konnte er mir nicht sagen, es war nichts zu sehen.

Das ist es auch bis heute nicht und man sieht später eine durchgemachte Hufrehe immer ... wen das interessiert, ich erkläre sowas in meiner Hufrehe-Info.

Ich versuchte noch, mit dem Bauern zu reden, hatte eine Stelle aufgetan, wo ich hätte Heu vom Vorjahr kaufen können und fragte, ob er uns Chiwa und Prima irgendwo auf einen gesonderten Auslauf stellen und sie dort mit unserem eigenen Heu füttern könne. Er lehnte das ab, sei zu viel Aufwand, entweder bei Stroh pur in der Box oder aber 24 Stunden Auslauf ohne Gras mit übergäriger Heulage sei die Alternative.

Jürgen und ich begannen, eher panisch als ruhig nach einem anderen Stall zu suchen. In der Zwischenzeit kaufte ich Heucobs für unsere Pferde, stellte beide immer nachts in die Box und gab ihnen etwas Stroh, das noch da war (reines Gift für eine Strahlfäule, die abheilen soll übrigens) und ließ sie tagsüber stundenweise raus. Sie waren dann ja satt und fraßen die gammelige Heulage dann eigentlich nicht. Ich verfuhr ein Heidengeld an Benzin, denn der Stall war ja nicht eben in der Nähe unserer Wohnung nicht nicht eingeplant, dass ich nun 2 x am Tag zu meinen Pferden fahren würde, um sie selbst zu versorgen .. und irgendwann legte ich mich tierisch mit dem guten Bauern an, den ich mal für so gutmütig gehalten hatte. Nun gut, man sieht sich immer 2 x und wir diesen Stall sicher nicht mehr 3 x. Ich werde den auch niemand weiter empfehlen.

Auf diesem Foto, das eines der letzten vor unserem Weggang ist, sieht man recht klar den Zustand des Stücks, das unseren Pferden dort als "Weide" diente, echt ein Witz.

Schließlich fanden wir einen Platz in Boksee ... Gott sei Dank. Die letzten Tage bis zu unserem Umzug dorthin waren ein reiner Albtraum, immer in der Angst vor einer krassen Kolik oder einem echten Hufreheschub von Chiwa ... aber wir hatten Glück und die Pferde waren noch halbwegs fit, als es losging mit dem Umzug in den neuen Stall.

Unsere Spaziergänge arteten zuletzt in tierischen Stress aus, denn die Gier nach jungem Gras unserer Pferde war natürlich enorm.

Na ja, es ging gut, bis Jürgen wieder frei hatte und wir in den neuen Stall umziehen konnten.

Wir liefen zu Fuß ca. eine Stunde. Am aufregendsten fand Prima einen Kuhstall, wo es stark nach Vieh roch, eine Parkbank am Wegesrand, das gelbe Ortsschild von Boksee, eine Reihe Begrenzungspfähle im Ort und einen orangefarbenen Bauwagen, aber Jürgen schaffte es, sie immer wieder zu beruhigen. Chiwa ging zwar etwas hölzern, denn die Strahlfäule war noch nicht komplett ausgeheilt, aber wir kamen voran und schließlich auch gut an.

Fotos von der neuen Umgebung unserer Pferde jetzt in Boksee zeige ich Euch auf der kommenden Seite "Unsere Pferde Teil 3".